Eigenübungen, die wirklich umgesetzt werden: So gestalten Sie Übungen zwischen den Therapiesitzungen erfolgreich
Die meisten Therapieziele erfordern Wiederholung. Dennoch sehen viele Klientinnen und Klienten ihre Therapeutin oder ihrenTherapeuten nur einmal pro Woche. Das stellt eine Herausforderung dar.
Eine Therapeutin oder ein Therapeut verbringt möglicherweise 45 Minuten damit, eine neue Strategie einzuführen, eine Zielfunktion zu trainieren und Rückmeldungen zu geben. Doch was passiert während der sechs Tage bis zur nächsten Therapiesitzung? Für viele Klientinnen und Klienten leider sehr wenig. Und das liegt nicht daran, dass Therapie nicht wirksam ist.
Vielmehr hängen Lernen, der Erwerb neuer Fähigkeiten und neuroplastische Veränderungen von wiederholtem Üben in einem längeren Zeitraum ab. Meta-Analysen zur kognitiven Verhaltenstherapie zeigen, dass therapeutische Übungen zwischen den Sitzungen und wiederholtes Anwenden erlernter Strategien direkt mit einer besseren Festigung von Fähigkeiten und besseren Behandlungsergebnissen zusammenhängen. Fehlen Gelegenheiten, Inhalte zwischen den Sitzungen erneut aufzugreifen, verläuft der Fortschritt häufig langsamer, der Transfer in den Alltag bleibt begrenzt und Therapeutinnen und Therapeuten finden sich Woche für Woche dabei wieder, bereits bekannte Inhalte erneut zu vermitteln.
Deshalb sind Eigenübungen nicht nur eine sinnvolle Ergänzung zur Therapie – sie gehören häufig zu den wichtigsten Faktoren für langfristige Therapieerfolge. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Durchführung therapeutischer Eigenübungen positiv mit dem Behandlungserfolg zusammenhängt und dass eine höhere Therapietreue bei diesen Übungen bessere Ergebnisse nach Abschluss der Therapie vorhersagt.
Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Übungen für die Zeit zwischen den Sitzungen zu entwickeln, die Klientinnen und Klienten tatsächlich durchführen.

Warum Wiederholung so wichtig ist
Ganz gleich, ob Sie in der kognitiven Rehabilitation, der Sprach- und Sprechtherapie, im Bereich der exekutiven Funktionen, der Aufmerksamkeit oderder sozial-emotionalen Entwicklung arbeiten – ein Grundprinzip bleibt immer gleich:
Fähigkeiten entwickeln sich durch Wiederholung.
Therapiesitzungen bieten die Möglichkeit, neue Strategien einzuführen, Fähigkeiten zu demonstrieren, Rückmeldungen zu geben und Interventionen anzupassen. Nachhaltige Veränderungen entstehen jedoch erst dann, wenn dieselben Fähigkeiten wiederholt in bedeutungsvollen und alltagsnahen Situationen angewendet werden.
Forschungsergebnisse aus Rehabilitation, Bildungswissenschaften und motorischem Lernen zeigen immer wieder, dass verteiltes Üben – also kurze Übungseinheiten, die über mehrere Tage verteilt stattfinden – zu einer besseren Behaltensleistung und besseren langfristigen Ergebnissen führt als seltene oder ausschließlich punktuelle Übungsphasen.
Neurowissenschaftliche Studien zeigen zudem, dass wiederholtes Üben synaptische Verbindungen stärkt und neuroplastische Veränderungen unterstützt, die dem Erwerb neuer Fähigkeiten zugrunde liegen.
Mit anderen Worten: Eine Person, die täglich fünf Minuten übt, profitiert häufig stärker als eine Person, die sich nur während einer einzigen wöchentlichen Therapiesitzung mit einer bestimmten Zielfunktion beschäftigt.
Die Therapeutin oder der Therapeut führt die Fähigkeit ein. Tägliches Üben hilft dabei, sie zu festigen.
Die Dosierungslücke verstehen
Eines der größten Hindernisse für Fortschritte ist die Zeit zwischen den Therapiesitzungen.
Eine Person, die einmal pro Woche eine 45-minütige Therapieeinheit erhält, bekommt weniger als eine Stunde direkte therapeutische Intervention innerhalb von insgesamt 168 Stunden. Selbst die wirksamste Therapiesitzung kann die begrenzten Möglichkeiten zur Anwendung und Festigung von Fähigkeiten während der restlichen Woche nicht vollständig ausgleichen. Für viele Klientinnen und Klienten liegt das Problem nicht in der Qualität der Therapie. Das Problem ist der Mangel an regelmäßigen Übungsmöglichkeiten zwischen den Terminen.
Dies ist besonders relevant für:
- Kognitive Rehabilitation
- Interventionen zur Förderung exekutiver Funktionen
- Sprach- und Sprechtherapie
- Aufmerksamkeitstraining
- Gedächtnisstrategien
- Sozial-emotionale Entwicklung
Diese Fähigkeiten erfordern in der Regel zahlreiche Wiederholungen, bevor sie automatisiert werden und zuverlässig in Alltagssituationen angewendet werden können. Das Ziel ist daher nicht zwangsläufig mehr Therapie. Das Ziel sind mehr sinnvolle Wiederholungen.
Was macht häusliches Üben erfolgreich?
Viele Therapeutinnen und Therapeuten geben ihren Klientinnen und Klienten Übungen für zu Hause mit den besten Absichten mit. Dennoch bringen klassische Hausaufgabenprogramme häufig unbeabsichtigte Hürden mit sich. Die Übungen sind oft:
- zu umfangreich,
- zu allgemein gehalten,
- ohne Unterstützung schwer verständlich,
- für Angehörige oder Bezugspersonen schwer zu begleiten oder
- im stressigen Alltag leicht zu vergessen.
Die wirksamsten Übungen zwischen den Therapiesitzungen haben meist vier gemeinsame Merkmale:
Sie sind kurz
Kurze Übungen wirken überschaubar und gut umsetzbar. Eine fünfminütige Übung lässt sich deutlich leichter regelmäßig durchführen als ein langes Arbeitsblatt oder eine komplexe Aufgabe.
Sie sind individuell angepasst
Klientinnen und Klienten beschäftigen sich eher mit Übungen, wenn diese zu ihren Interessen, Zielen und Fähigkeiten passen. Individuell angepasste Übungen steigern die Motivation und erleichtern die Übertragung der erlernten Fähigkeiten in den Alltag.
Sie sind leicht zugänglich
Je weniger Hürden bestehen, desto besser. Wenn eine Übung direkt auf dem Tablet, Computer oder Smartphone verfügbar ist, steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass sie tatsächlich durchgeführt wird.
Sie lassen sich problemlos in den Alltag integrieren
Erfolgreiches häusliches Üben wird Teil bestehender Routinen und nicht zu einer weiteren Aufgabe in einem ohnehin vollen Tagesablauf.
Die wachsende Bedeutung von KI-gestützten Therapietools
Für jede Patientin und jeden Patienten individuelle Übungen zu erstellen, kostet Zeit. Genau hier beginnen KI-gestützte Therapietools, die therapeutische Praxis zu verändern.
Künstliche Intelligenz ersetzt Therapeutinnen und Therapeuten nicht. Stattdessen dient sie als unterstützende Technologie, die den Vorbereitungsaufwand reduziert und gleichzeitig eine individuellere Versorgung ermöglicht.
KI-gestützte Werkzeuge können Therapeutinnen und Therapeuten dabei unterstützen,
- individuelle Übungen schneller zu erstellen,
- Inhalte an unterschiedliche Leistungsniveaus anzupassen,
- neue Übungsmöglichkeiten zu entwickeln,
- die Motivation durch personalisierte Inhalte zu steigern und
- die Kontinuität zwischen den Therapiesitzungen zu fördern.
Dadurch bleibt mehr Zeit für die eigentliche Therapie und weniger Zeit muss in die Erstellung neuer Materialien investiert werden.
Ein Praxisbeispiel: Von wöchentlicher Therapie zu täglichem Lernen
Noah ist elf Jahre alt und arbeitet in der Therapie an Aufmerksamkeit sowie exekutiven Funktionen. Während der Therapiesitzungen erzielte er mit Unterstützung seiner Therapeutin gute Fortschritte. Bis zur nächsten Woche waren jedoch viele der eingeführten Strategien bereits wieder vergessen oder wurden nur unregelmäßig angewendet.
Anstatt die Therapiefrequenz zu erhöhen, entschied sich seine Therapeutin dafür, die Anzahl der Übungsmöglichkeiten zu steigern. Noah erhielt kurze tägliche Übungen, die genau die Fähigkeiten festigten, die bereits in der Therapie trainiert worden waren. Jede Übung dauerte weniger als fünf Minuten.
Innerhalb einer Woche absolvierte Noah dadurch zahlreiche zusätzliche Lerngelegenheiten, bevor seine nächste Therapiesitzung stattfand.
Der entscheidende Unterschied war nicht mehr Therapie – sondern mehr Wiederholung.
Mit der Zeit trugen diese kurzen täglichen Übungen dazu bei, die in der Therapie aufgebauten Fähigkeiten zu festigen und ihre Anwendung im Alltag zu verbessern.
Dieses Vorgehen deckt sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen: Verteiltes Üben zwischen den Therapiesitzungen führt zu besseren Lernerfolgen und einer nachhaltigeren Speicherung als viele Wiederholungen innerhalb einer einzelnen Sitzung.
Wie Cognishine das Üben zwischen den Therapiesitzungen unterstützt
Eine der größten Herausforderungen im therapeutischen Alltag besteht darin, genügend Zeit zu finden, um sinnvolle und individuell angepasste Übungen für zu Hause zu erstellen.
Genau dafür wurde Cognishine entwickelt.
Als KI-gestützte digitale Therapieplattform bietet Cognishine Therapeutinnen und Therapeuten Zugang zu einer stetig wachsenden Bibliothek evidenzbasierter Übungen in verschiedenen Bereichen, darunter:
- Kognitive Fähigkeiten
- Kommunikation
- Sprache
- Exekutive Funktionen
- Sozial-emotionales Lernen
- und viele weitere therapeutische Schwerpunkte.
Anstatt sich ausschließlich auf papierbasierte Hausaufgaben zu verlassen, können Therapeutinnen und Therapeuten interaktive Übungen zuweisen, die unmittelbar auf die individuellen Therapieziele abgestimmt sind und zwischen den Sitzungen selbstständig durchgeführt werden können.
Cognishine unterstützt unter anderem:
- Häusliche Übungsprogramme
- Kognitive Rehabilitation
- Sprach- und Sprechtherapie
- Interventionen zu exekutiven Funktionen
- Teletherapie und hybride Versorgung
- Selbstständiges Üben der Klientinnen und Klienten
- Digitale Rehabilitationsangebote aus der Ferne
Mit Unterstützung von KI lassen sich Übungen schnell an die Interessen, Stärken und therapeutischen Ziele einer Klientin oder eines Klienten anpassen.
So wird aus einer einzelnen Therapiesitzung pro Woche eine Vielzahl zusätzlicher Lerngelegenheiten im Alltag.
Anstatt sich lediglich daran erinnern zu müssen, was in der Therapie geübt wurde, können Patientinnen und Patienten die Inhalte täglich erneut anwenden und festigen.
Studien zeigen, dass digitale Therapieplattformen, die das Üben zwischen den Therapiesitzungen unterstützen, mit einer besseren Therapiekontinuität und einer erfolgreicheren Übertragung der erlernten Fähigkeiten in den Alltag verbunden sind.
Die Zukunft der Rehabilitation ist kontinuierlich
Therapie findet heute längst nicht mehr ausschließlich in der Praxis oder Klinik statt.
Digitale Therapieplattformen ermöglichen es inzwischen, Lernen, Motivation und Kompetenzaufbau auch zwischen den Therapiesitzungen zu fördern – Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren kaum realisierbar waren.
Für Therapeutinnen und Therapeuten eröffnet sich dadurch die Chance, die Wirkung jeder einzelnen Therapiesitzung deutlich zu verlängern.
Für Klientinnen und Klienten entstehen mehr Gelegenheiten, regelmäßig zu üben, Erfolgserlebnisse zu sammeln und Selbstvertrauen aufzubauen.
Und letztlich trägt dies dazu bei, die Lücke zwischen dem, was in der Therapie geschieht, und dem, was im Alltag umgesetzt wird, zu schließen.
Die aktuelle Forschung im Bereich digitaler Therapeutika und der Rehabilitationswissenschaft zeigt zunehmend, dass kontinuierliches Üben zwischen den Therapiesitzungen ein entscheidender Faktor für langfristige funktionelle Verbesserungen ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
Wöchentliche Therapiesitzungen sind wichtig.
Der eigentliche Therapieerfolg hängt jedoch maßgeblich davon ab, was zwischen diesen Sitzungen passiert.
Die Forschung zeigt immer wieder, dass regelmäßiges Wiederholen zu besseren Lernerfolgen, einer nachhaltigeren Speicherung und einer besseren Übertragung der erlernten Fähigkeiten in den Alltag führt.
Metaanalysen belegen außerdem, dass die konsequente Durchführung von Hausaufgaben und Übungen zwischen den Therapiesitzungen in verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren mit besseren Behandlungsergebnissen verbunden ist.
Sind Übungen kurz, individuell angepasst, motivierend und leicht zugänglich, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass Patientinnen und Patienten sie regelmäßig während der Woche durchführen.
Plattformen wie Cognishine unterstützen Therapeutinnen und Therapeuten dabei, genau dies zu ermöglichen. Mithilfe KI-gestützter, personalisierter Übungen wird das Lernen über den Therapieraum hinaus verlängert und es entstehen deutlich mehr Gelegenheiten für sinnvolle Wiederholungen.
Anstatt zu fragen:
„Warum führen meine Patientinnen und Patienten ihre Übungen zu Hause nicht durch?“
könnte die wichtigere Frage lauten:
„Wie kann ich mehr Übungsmöglichkeiten zwischen den Therapiesitzungen schaffen?“
Denn manchmal entstehen die größten Fortschritte in den sechs Tagen zwischen zwei Therapieterminen.
Über die Autorin
Melina Mathis ist Logopädin und verfügt über Erfahrung in der Arbeit mit einer Vielzahl pädiatrischer und erwachsener Patientinnen und Patienten.
Zu ihren klinischen Schwerpunkten gehört die Behandlung von Menschen mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, die häufig über viele Jahre hinweg eine interdisziplinäre Versorgung benötigen. Darüber hinaus arbeitet sie mit Erwachsenen, die unter orofazialen myofunktionellen Störungen, craniomandibulären Dysfunktionen (CMD), schlafbezogenen Atmungsstörungen sowie chronischer Mundatmung leiden.
Neben ihrer Tätigkeit im ambulanten Bereich und in der häuslichen Versorgung gilt ihr besonderes Interesse der Unterstützten Kommunikation (UK). Dabei unterstützt sie Menschen mit komplexen Kommunikationsbedürfnissen dabei, aktiver und selbstbestimmter am Alltag teilzunehmen.
Im Mittelpunkt ihrer therapeutischen Arbeit stehen Motivation, Selbstbestimmung und eine bedeutungsvolle Teilhabe der Patientinnen und Patienten. Sie ist überzeugt, dass Therapie besonders erfolgreich ist, wenn Menschen ihre Therapieziele verstehen, aktiv in den therapeutischen Prozess eingebunden werden und auch außerhalb der Therapiesitzungen Zugang zu motivierenden und individuell angepassten Übungsmöglichkeiten haben.
Neben ihrer klinischen Tätigkeit arbeitet Melina als freiberufliche Content Creatorin für Cognishine. Dort veröffentlicht sie Beiträge zu Rehabilitation, Kommunikation, assistiven Technologien und patientenzentrierten Therapieansätzen.
Literatur
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