Skripttraining bei Aphasie: Ein Leitfaden für Logopäd:innen

Oli Cheadle, Logopäde
Anleitungen

Auf einen Blick

Was ist Skripttraining?

Das Skripttraining ist ein alltagsorientierter Therapieansatz, bei dem die Logopädin bzw. der Logopäde gemeinsam mit der Person mit Aphasie ein kurzes, persönlich relevantes Skript – als Monolog oder Dialog – für eine bedeutsame Alltagssituation entwickelt. Dieses Skript wird anschließend wiederholt geübt, sodass die sprachliche Produktion flüssiger, schneller und zuverlässiger gelingt.

Für wen eignet sich das Skripttraining?

Das Skripttraining eignet sich besonders für Menschen mit Aphasie, die ein konkretes Teilhabeziel verfolgen und von einer verlässlichen Kommunikationsstrategie für eine bestimmte Alltagssituation profitieren.

Warum Skripttraining einsetzen?

Das Ziel des Skripttrainings ist nicht, alle Bereiche der Sprache zu verbessern. Vielmehr soll es eine erfolgreiche Kommunikation in konkreten, für die betroffene Person bedeutsamen Alltagssituationen ermöglichen.

Hier das Skript kostenlos herunterladen

Wie funktioniert das Skripttraining?

Das Skripttraining ist ein praxisnaher, teilhabeorientierter Therapieansatz für Menschen mit Aphasie. Anstatt die Sprache allgemein über unterschiedlichste Themen hinweg zu trainieren, konzentriert sich die Methode darauf, einer Person zu helfen, in einer für sie bedeutsamen Alltagssituation etwas Sinnvolles und Relevantes sagen zu können (ASHA, o. D.; Hubbard et al., 2020).

Ein „Skript“ ist eine vorhersehbare Abfolge von Sätzen für eine vertraute Alltagssituation. Dabei kann es sich beispielsweise um eine Selbstvorstellung, eine kurze Erklärung oder einen kurzen Dialog in einem Café, am Telefon oder an einer Rezeption handeln.

Das Ziel ist keine allgemeine Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten über alle Themenbereiche hinweg. Vielmehr soll eine verlässliche Kommunikation in den Situationen ermöglicht werden, die für die betroffene Person von Bedeutung sind (Hubbard et al., 2020).

Das Skripttraining eignet sich besonders, wenn:

  • die Person ein konkretes Teilhabeziel hat,
  • regelmäßiges, wiederholtes Üben möglich ist,
  • eine erfolgreiche Kommunikation in einer bestimmten Alltagssituation das Selbstvertrauen stärkt oder Kommunikationsabbrüche reduziert,
  • eine verlässliche und vorhersehbare Sprechroutine im Alltag einen echten Mehrwert bietet.

Das Skripttraining wird sowohl bei Menschen mit chronischer Aphasie nach einem Schlaganfall als auch bei Personen mit primär progressiver Aphasie eingesetzt. Es kann in der Einzeltherapie, in Gruppensettings, per Teletherapie sowie als angeleitetes Heimtraining durchgeführt werden. Auch bei gleichzeitig bestehender Sprechapraxie lässt sich der Ansatz entsprechend anpassen (Hubbard et al., 2020; Youmans et al., 2011).

Welche Ergebnisse können Logopäd:innen erwarten?

Wahrscheinliche Therapieerfolge

  • verbesserte Genauigkeit und Vollständigkeit des eingeübten Skripts
  • höhere Sprechgeschwindigkeit sowie flüssigeres und leichteres Sprechen innerhalb des Skripts
  • mehr Sicherheit in der trainierten Alltagssituation
  • das subjektive Erleben, besser vorbereitet zu sein und von anderen besser verstanden zu werden

Diese Therapieerfolge werden in der Literatur zum Skripttraining am häufigsten beschrieben – insbesondere in Bezug auf die gezielt eingeübten Skripte selbst (Cherney et al., 2008; Cherney et al., 2011; Goldberg et al., 2012).

Wichtig zu beachten

  • Die größten Verbesserungen zeigen sich bei den gezielt trainierten Skripten.
  • Die Evidenz für eine Generalisierung auf nicht trainierte Skripte oder andere Kommunikationssituationen ist begrenzt und uneinheitlich. Eine Übertragung sollte daher nicht vorausgesetzt werden.
  • Eine realistische Form der Generalisierung besteht darin, dass dasselbe Skript erfolgreich in neuen Situationen oder mit unterschiedlichen Gesprächspartner eingesetzt werden kann.
  • Standardisierte Aphasietests bilden den praktischen Nutzen des Skripttrainings möglicherweise nicht vollständig ab.

Dieses Muster zeigt sich konsistent in der wissenschaftlichen Literatur: deutliche Verbesserungen bei den eingeübten Skripten, eine teilweise Aufrechterhaltung der Therapieerfolge sowie eine uneinheitliche Evidenz hinsichtlich einer weitergehenden Generalisierung (Cherney et al., 2008; Goldberg et al., 2012; Hubbard et al., 2020).

Wie sieht ein Skript konkret aus?

Skripte sind in der Regel kurz, spezifisch und alltagsrelevant. Zum Beispiel:

Beispiel für einen Monolog: Sich selbst vorstellen

Situation: Jemanden in einer neuen Gruppe kennenlernen.

„Hallo, ich heiße John.
Ich hatte einen Schlaganfall.
Deshalb spreche ich etwas langsamer.
Bitte geben Sie mir etwas Zeit.“

Beispiel für einen Monolog: Über ein Hobby sprechen

Situation: Sich mit einer Freundin oder einem Freund oder in einer Gruppe unterhalten.

„Ich gärtnere gern.
In meinem Garten baue ich Tomaten und Kräuter an.
Das entspannt mich, und ich bin gern draußen.“

Beispiel für einen Dialog: Ein Getränk bestellen

Gesprächspartner: „Was möchten Sie trinken?“

Person: „Einen Tee, bitte.“

Gesprächspartner: „Mit Milch und Zucker?“

Person: „Mit Milch, ohne Zucker, danke.“

Diese Beispiele verdeutlichen das Grundprinzip des Skripttrainings: Ziel ist keine allgemeine Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten, sondern eine verlässliche Kommunikation in einer Alltagssituation, der die betroffene Person mit hoher Wahrscheinlichkeit begegnen wird.


Warum ist das Skripttraining in der Praxis so hilfreich?

Das Skripttraining basiert auf der wiederholten Übung vollständiger, bedeutungsvoller Äußerungssequenzen. In der wissenschaftlichen Literatur wird dieser Ansatz häufig mit der Automatisierung sprachlicher Abläufe, dem wiederholten Abrufen und Produzieren von Sprache sowie dem Nutzen sprachlicher Übungen in realistischen, alltagsnahen Kontexten in Verbindung gebracht (Hubbard et al., 2020).

Dadurch eignet sich das Skripttraining besonders für Situationen, in denen eine sichere Kommunikation in einer konkreten Alltagssituation die Teilhabe erleichtert, das Selbstvertrauen stärkt oder Kommunikationsabbrüche im Alltag reduziert.

Wie wird das Skripttraining durchgeführt?

Hier können Sie das Skripttraing-Toolkit kostenlos herunterladen!

Schritt 1: Eine alltagsrelevante Situation auswählen

Wählen Sie zunächst eine Situation aus, die für die betroffene Person von besonderer Bedeutung ist. Geeignete Situationen treten regelmäßig auf und würden die Teilhabe oder das Selbstvertrauen im Alltag spürbar verbessern.

Häufige Beispiele sind:

  • sich selbst vorstellen
  • die Aphasie erklären
  • Essen oder Getränke bestellen
  • einen Anruf tätigen oder entgegennehmen
  • über ein Hobby oder persönliches Interesse sprechen
  • ein kurzes persönliches Update geben
  • um Hilfe bitten
  • mit Mitarbeitenden am Empfang oder im Kundenservice sprechen

Klinischer Tipp: Beginnen Sie mit nur einer Situation. Werden mehrere Situationen gleichzeitig trainiert, sind die Therapieerfolge für die einzelnen Skripte meist geringer.

Schritt 2: Das Skript gemeinsam erstellen

Das Skript sollte so klingen, wie die betroffene Person tatsächlich sprechen würde. Ihre Aufgabe besteht darin, das Skript so zu gestalten, dass es funktional, gut umsetzbar und effizient ist – ohne dabei die individuelle Ausdrucksweise der Person zu verändern. Studien deuten darauf hin, dass die persönliche Relevanz eines Skripts dessen Auswahl und Erlernen positiv beeinflusst (Cherney et al., 2015).

Ein gutes Skript für den Einstieg sollte:

  • für die betroffene Person persönlich bedeutsam sein,
  • sprachlich ihrem aktuellen Leistungsniveau entsprechen,
  • konkret statt allgemein formuliert sein,
  • während des frühen Trainings eine feste Formulierung beibehalten und nicht durch Paraphrasen ersetzt werden,
  • kurz genug sein, um häufig und erfolgreich geübt werden zu können.

Wenn die eigenständige Sprachproduktion eingeschränkt ist, können folgende Strategien hilfreich sein:

  • Formulierungsmöglichkeiten als Auswahl anbieten,
  • Ja-/Nein-Fragen nutzen, um die gewünschte Aussage einzugrenzen,
  • wichtige Formulierungen gemeinsam mit Angehörigen oder Kommunikationspartnern sammeln,
  • mit Schlüsselwörtern oder Satzanfängen arbeiten,
  • Methoden der Unterstützten Kommunikation bzw. der unterstützten Gesprächsführung einsetzen, um die beabsichtigte Botschaft zu ermitteln.

Ziel ist ein fertiges Skript, das die betroffene Person als ihre eigene Aussage empfindet – auch dann, wenn Sie den Erarbeitungsprozess durch gezielte Unterstützung maßgeblich begleitet haben.

Schritt 3: Eine geeignete Übungsmethode auswählen

Ein klar strukturierter Ablauf erleichtert das Lernen. Ein mögliches Vorgehen ist:

  1. das vollständige Skript anhören,
  2. einzelne Abschnitte mit Unterstützung üben,
  3. die einzelnen Abschnitte zu einem zusammenhängenden Skript verbinden,
  4. das vollständige Skript mit zunehmend weniger Unterstützung durchsprechen,
  5. das Skript in einer möglichst realitätsnahen Gesprächssituation anwenden.

Geeignete Übungsmethoden sind unter anderem das Anhören des Skripts, während es jemand anderes vorliest, das Nachsprechen, lautes Vorlesen, synchrones Sprechen mit der Therapeutin oder dem Therapeuten, das freie Abrufen aus dem Gedächtnis, Rollenspiele mit einem Gesprächspartner sowie die Kombination gesprochener, schriftlicher und audiovisueller Hilfen (Cherney et al., 2008; Kaye & Cherney, 2016).

Schritt 4: Mit vielen Wiederholungen üben und Unterstützung schrittweise reduzieren

Beginnen Sie mit einem hohen Maß an Unterstützung und reduzieren Sie diese schrittweise, sobald Genauigkeit und Sprechsicherheit zunehmen.

Zu Beginn können folgende Hilfestellungen sinnvoll sein:

  • Vormachen durch die Therapeutin oder den Therapeuten,
  • gemeinsames synchrones Sprechen,
  • unmittelbares Nachsprechen,
  • visuelle Hinweise oder ein schriftliches Skript,
  • Schlüsselwort-Hinweise,
  • vorhersehbare Gesprächsbeiträge des Kommunikationspartners.

Mit zunehmendem Lernerfolg sollte die Unterstützung schrittweise reduziert werden. Ziel ist der Übergang zu:

  • verzögertem Nachsprechen,
  • wenigen Hinweisen,
  • selbstständiger Produktion,
  • realistischen Rollenspielen ohne Hilfen,
  • der Anwendung mit vertrauten Gesprächspartnern im Alltag,
  • der Anwendung in den tatsächlichen Zielumgebungen.

Zunächst steht eine erfolgreiche Ausführung mit Unterstützung im Vordergrund. Erst anschließend wird die Selbstständigkeit schrittweise aufgebaut. Studien zum Skripttraining empfehlen eine abgestufte Hinweisgebung, strukturierte Übungsabläufe und eine gezielte Steuerung des Schwierigkeitsgrades (Kaye & Cherney, 2016; Cherney & van Vuuren, 2022).

Schritt 5: Die Übertragung in den Alltag unterstützen

Ein Skript, das nur im Therapieraum funktioniert, ist deutlich weniger hilfreich als eines, das auch im Alltag sicher eingesetzt werden kann. Sobald das Skript in der Therapie stabil beherrscht wird, sollte der Transfer in reale Kommunikationssituationen gezielt geplant werden.

Dazu gehört beispielsweise:

  • mit verschiedenen Gesprächspartnern zu üben,
  • den Übungsort schrittweise zu verändern,
  • unterschiedliche Reaktionen von Gesprächspartnern im Rollenspiel zu trainieren,
  • die betroffene Person zu ermutigen, das Skript zwischen den Therapiesitzungen im Alltag einzusetzen,
  • gemeinsam zu reflektieren, was den Einsatz erleichtert oder erschwert hat.

Heimtraining ist ein fester Bestandteil vieler Skripttrainingsprogramme. Es ist besonders wirksam, wenn die Übungen kurz, regelmäßig, leicht umsetzbar und auf ein klar definiertes Kommunikationsziel ausgerichtet sind. Schriftliche Skripte, Audioaufnahmen oder Videomodelle können das selbstständige Üben zusätzlich unterstützen (Hubbard et al., 2020).

Wie viel Übung ist erforderlich?

Wiederholtes Üben ist ein zentraler Bestandteil des Skripttrainings. Therapiesitzungen sind besonders effektiv, wenn dasselbe Skript mehrfach in einem klar strukturierten Ablauf geübt wird.

Es gibt jedoch keine allgemeingültige Übungsintensität, die für alle Menschen geeignet ist. Häufigkeit und Dauer des Trainings sollten sich an der Ermüdbarkeit, Motivation, den Unterstützungsmöglichkeiten im häuslichen Umfeld sowie der Fähigkeit der betroffenen Person orientieren, regelmäßig und ohne Überforderung zu üben (Hubbard et al., 2020).

Der entscheidende therapeutische Aspekt ist daher nicht einfach „mehr Übung“, sondern die erfolgreiche und wiederholte Anwendung eines persönlich bedeutsamen Skripts.

Wie lässt sich der Therapieerfolg messen?

Sinnvolle Messgrößen können sein:

  • der Anteil der Skriptzeilen, die selbstständig produziert werden,
  • der Umfang der benötigten Hinweisgebung für jede Skriptzeile oder jeden Gesprächsbeitrag,
  • der Unterstützungsbedarf durch die Therapeutin oder den Therapeuten im Therapieverlauf,
  • die Sprechgeschwindigkeit oder Sprechflüssigkeit innerhalb des trainierten Skripts,
  • die subjektiv wahrgenommene Sicherheit der betroffenen Person,
  • die Häufigkeit, mit der das Skript im Alltag tatsächlich genutzt wird.

Frühe Studien zum Skripttraining zeigten deutliche Verbesserungen bei skriptspezifischen Messgrößen, während Veränderungen in allgemeinen Aphasietests weniger konsistent ausfielen. Daher empfiehlt es sich, den Therapieerfolg vor allem anhand der Skriptleistung und der funktionellen Anwendung im Alltag zu beurteilen (Cherney et al., 2008).

Welche Gestaltungsprinzipien erhöhen den Therapieerfolg?

Der Schwierigkeitsgrad eines Skripts sollte sorgfältig an die Fähigkeiten der betroffenen Person angepasst werden. Praktische Leitfäden und neuere Machbarkeitsstudien zeigen, dass eine gezielte Anpassung der sprachlichen Komplexität den Therapieerfolg unterstützt (Kaye & Cherney, 2016; Cherney & van Vuuren, 2022).

Wenn ein Skript wiederholt Schwierigkeiten bereitet, liegt dies häufig daran, dass es:

  • zu lang ist,
  • sprachlich zu anspruchsvoll ist,
  • zu viele unterschiedliche Formulierungen enthält,
  • nicht ausreichend auf die aktuellen Fähigkeiten der betroffenen Person abgestimmt ist.

Hilfreiche Anpassungen sind beispielsweise:

  • einzelne Äußerungen zu verkürzen,
  • lange Sätze in kürzere Einheiten aufzuteilen,
  • seltene oder komplexe Wörter durch geläufigere Begriffe zu ersetzen,
  • die grammatikalische Komplexität zu reduzieren,
  • die Formulierungen insbesondere zu Beginn des Trainings konstant zu halten,
  • die Gesprächsbeiträge des Kommunikationspartners vorhersehbarer zu gestalten,
  • die Gedächtnisbelastung zu verringern.

Bei Dialogen erleichtern vorhersehbare Äußerungen des Gesprächspartners das Einüben des gesamten Gesprächsablaufs, da sie die Variabilität und die kognitive Belastung reduzieren.

Auch schriftliche Hilfen sollten an die Lesefähigkeiten der betroffenen Person angepasst werden. Ist das Lesen eingeschränkt, kann das Skript auf Schlüsselwörter reduziert, in großer Schrift dargestellt oder durch Farbcodierungen beziehungsweise Zeile-für-Zeile-Hilfen unterstützt werden. In manchen Fällen ist wiederholtes Nachsprechen hilfreicher als ein vollständiger schriftlicher Text.

Was zeigt die aktuelle Studienlage?

Die wissenschaftliche Evidenz zum Skripttraining ist vielversprechend, aber noch begrenzt. Ein Großteil der Studien besteht aus experimentellen Einzelfallstudien, kleineren Kohortenstudien, technologiegestützten Interventionen und praxisorientierten Umsetzungsstudien, während große randomisierte Studien bislang selten sind (Hubbard et al., 2020).

Über verschiedene Studien hinweg zeigt sich am konsistentesten eine Verbesserung der Produktion trainierter Skripte. Die erreichten Fortschritte bleiben häufig über einen gewissen Zeitraum erhalten, während die Evidenz für eine Generalisierung auf andere Kommunikationssituationen uneinheitlich ist (Cherney et al., 2008; Goldberg et al., 2012; Hubbard et al., 2020).

Studien berichten unter anderem über Verbesserungen der inhaltlichen Genauigkeit, der grammatikalischen Produktion und der Sprechgeschwindigkeit innerhalb der trainierten Skripte. Darüber hinaus berichten viele Betroffene von subjektiven Verbesserungen, beispielsweise mehr Selbstvertrauen und einer leichteren Kommunikation im Alltag (Cherney et al., 2008; Cherney et al., 2011).

Auch der Schwierigkeitsgrad des Skripts spielt eine wichtige Rolle. Eine schrittweise Steigerung der sprachlichen Komplexität sowie eine gezielte Anpassung an die individuellen Fähigkeiten scheinen die Leistung und den Therapieerfolg zu verbessern (Kaye & Cherney, 2016; Cherney & van Vuuren, 2022).

Das Skripttraining wurde bereits erfolgreich in unterschiedlichen Settings eingesetzt – unter anderem in der Präsenztherapie, im Heimtraining, in der Teletherapie sowie bei Menschen mit primär progressiver Aphasie (Hubbard et al., 2020).

Auch bei Erwachsenen mit Sprechapraxie in Kombination mit einer leichten Aphasie wird das Verfahren genutzt. Selbst wenn die Äußerungen nicht vollständig fehlerfrei sind, kann der sichere Einsatz eingeübter Skripte im Alltag einen hohen funktionellen Nutzen haben (Youmans et al., 2011).

Die wichtigste Erkenntnis lautet: Die stärkste Evidenz für das Skripttraining besteht hinsichtlich der Verbesserung gezielt trainierter, alltagsrelevanter Sprechroutinen. Es sollte jedoch nicht als Therapieansatz dargestellt werden, der zuverlässig zu einer allgemeinen Verbesserung spontaner Gespräche in allen Kommunikationssituationen führt.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wie lang sollte ein Skript sein?

Es gibt keine festgelegte ideale Länge. Ein Skript sollte kurz genug sein, um wiederholt erfolgreich geübt werden zu können, und gleichzeitig lang genug, um in der jeweiligen Alltagssituation einen echten Nutzen zu bieten. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, zunächst mit einem überschaubaren Skript zu beginnen und dieses bei Bedarf später zu erweitern.

Sollten die Gesprächsbeiträge des Kommunikationspartners ebenfalls enthalten sein?

Ja – zumindest bei Dialogen. Die Einbeziehung der Äußerungen des Gesprächspartners macht das Training realistischer und ermöglicht es der betroffenen Person, den gesamten Gesprächsablauf einzuüben, anstatt nur die eigenen Aussagen zu trainieren.

Was ist, wenn die betroffene Person nur eingeschränkt lesen kann?

Das Skripttraining setzt keine erhaltene Lesefähigkeit voraus. Schriftliche Hilfen können vereinfacht oder auf Schlüsselwörter reduziert werden. Zusätzlich können wiederholtes Nachsprechen, Audioaufnahmen und Hinweise durch den Kommunikationspartner den Lernprozess unterstützen.

Lässt sich das Gelernte auf alltägliche Gespräche übertragen?

Teilweise – jedoch nicht zuverlässig in allen Fällen. Die deutlichsten Verbesserungen zeigen sich in der Regel bei den gezielt trainierten Skripten. Eine häufig beobachtete und realistische Form der Generalisierung besteht darin, dass dasselbe Skript erfolgreich mit neuen Gesprächspartnern oder in neuen Situationen eingesetzt werden kann (Goldberg et al., 2012; Hubbard et al., 2020).

Kann das Skripttraining auch per Teletherapie oder in Gruppen durchgeführt werden?

Ja. Das Skripttraining eignet sich sowohl für die Einzeltherapie als auch für Gruppensettings und Teletherapie. Darüber hinaus lässt es sich gut mit angeleitetem Heimtraining kombinieren (Hubbard et al., 2020).

Kann das Skripttraining auch bei einer Sprechapraxie eingesetzt werden?

Ja. Auch bei einer Sprechapraxie kann das Skripttraining ein sinnvoller funktioneller Therapieansatz sein. Ziel ist nicht zwangsläufig eine vollständig fehlerfreie Sprachproduktion, sondern eine flüssigere, zuverlässigere und alltagsrelevante Kommunikation in einer für die betroffene Person bedeutsamen Situation (Youmans et al., 2011).

Über den Autor

Oli Cheadle ist Logopäde im Vereinigten Königreich und arbeitet bei Cognishine sowie klinisch in der Schlaganfallrehabilitation. Seine Schwerpunkte liegen in der Therapie von Aphasie, Sprechapraxie, Dysarthrie und Dysphagie. Darüber hinaus ist er auf die Therapie des Stotterns spezialisiert.

Er betreibt die Website The Aphasia Therapy Planner, die Logopäd:innen dabei unterstützt, geeignete Therapieansätze für Menschen mit Aphasie zu finden:
www.aphasiatherapyplanner.weebly.com/

Außerdem leitet Oli Stuttering Therapy Online (https://www.stutteringtherapyonline.com/), eine private logopädische Praxis sowie eine Informationsplattform mit Fachbeiträgen und praxisnahen Leitfäden zum Thema Stottern.

Literatur

American Speech-Language-Hearing Association. (n.d.). Aphasia. ASHA Practice Portal.

Cherney, L. R., Halper, A. S., Holland, A. L., & Cole, R. (2008). Computerized script training for aphasia: Preliminary results. American Journal of Speech-Language Pathology, 17(1), 19–34.

Cherney, L. R., Halper, A. S., & Kaye, R. C. (2011). Computer-based script training for aphasia: Emerging themes from post-treatment interviews. Journal of Communication Disorders, 44(4), 493–501.

Cherney, L. R., Kaye, R. C., Lee, J. B., & van Vuuren, S. (2015). Impact of personal relevance on acquisition and generalization of script training for aphasia: A preliminary analysis. American Journal of Speech-Language Pathology, 24 (4 Suppl.), S913–S922.

Cherney, L. R., & van Vuuren, S. (2022). Complexity and feedback during script training in aphasia: A feasibility study. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation, 103(7 Suppl.), S205–S214.

Goldberg, S., Haley, K. L., & Jacks, A. (2012). Script training and generalization for people with aphasia. American Journal of Speech-Language Pathology, 21(3), 222–238.

Hubbard, H. I., Nelson, L. A., & Richardson, J. D. (2020). Can script training improve narrative and conversation in aphasia across etiology? Seminars in Speech and Language, 41(1), 99–124.

Kaye, R. C., & Cherney, L. R. (2016). Script Templates: A Practical Approach to Script Training in Aphasia. Topics in Language Disorders, 36(2), 136–153.

Youmans, G., Youmans, S. R., & Hancock, A. B. (2011). Script training treatment for adults with apraxia of speech. American Journal of Speech-Language Pathology, 20(1), 23–37.