Teletherapie zur Förderung kognitiver Funktionen
Während Teletherapie in Disziplinen wie der Logopädie und Psychologie bereits seit Jahrzehnten etabliert ist, hat die COVID-19-Pandemie ihren Einsatz in weiteren Bereichen der Rehabilitation deutlich beschleunigt. Wie jedes Interventionsformat hat auch die Teletherapie ihre Grenzen – insbesondere bei der Behandlung körperlicher Problematiken wie Ödemen oder Einschränkungen des Bewegungsumfangs. Für das Training kognitiver Fähigkeiten stellt sie jedoch eine sehr geeignete Methode dar, da technologische Möglichkeiten gezielt zur Förderung von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, kognitiver Flexibilität sowie weiterer exekutiver Funktionen eingesetzt werden können.
Trotz der zunehmenden Verbreitung besteht bei vielen Therapeut:innen weiterhin Zurückhaltung oder Unsicherheit in der Planung und Durchführung teletherapeutischer Einheiten. Diese Haltung kann dazu führen, dass weniger Patient:innen von entsprechenden Angeboten profitieren. Eine gezielte Fort- und Weiterbildung ist daher essenziell, um Therapeut:innen adäquat auf dieses Arbeitsfeld vorzubereiten. In diesem Artikel geben wir einen Überblick über evidenzbasierte Vorteile der Teletherapie im Bereich Kognition sowie praxisnahe Aktivitätsideen für verschiedene Fachbereiche und Zielgruppen.

Teletherapie mit Kindern
Ergotherapeutische Studien zeigen, dass Teletherapie im pädiatrischen Bereich die Durchführung von Therapie im natürlichen Lebensumfeld des Kindes erleichtert – unter Einbezug von Eltern und anderen vertrauten Bezugspersonen. Zudem ist sie besonders geeignet für Patient:innen mit eingeschränkter Immunabwehr oder eingeschränkter Mobilität bzw. unzuverlässiger Transportmöglichkeit.
Darüber hinaus ermöglicht Teletherapie eine unkomplizierte Integration zentraler Therapiebausteine wie Angehörigenberatung, Anleitung (Coaching) und Edukation.
Teletherapie mit älteren Erwachsenen
Auch im geriatrischen Bereich belegen Studien die Wirksamkeit teletherapeutischer ergotherapeutischer Interventionen. Sowohl ältere Patient:innen als auch deren Angehörige berichten von einer hohen Zufriedenheit mit dieser Behandlungsform.
Teletherapie hat sich zudem als effektives Medium zur Umsetzung etablierter geriatrischer Konzepte erwiesen, darunter zum Beispiel Programme zur Reduktion von Sturz- und Haushaltsrisiken oder andere ergotherapeutische Ansätze bei Demenz.
Bei neurologischen Erkrankungen konnte gezeigt werden, dass Teletherapie die Lebensqualität, das Gedächtnis sowie die Kognition verbessert. Studien zu Morbus Parkinson weisen zudem auf positive Effekte hinsichtlich Verhaltensauffälligkeiten, emotionaler Stabilität und kognitivem Status hin. Auch Angehörige profitieren durch eine gesteigerte Lebensqualität.
Teletherapie-geeignete Übungen für alle Altersgruppen
- Entspannungstechniken
- Geführte Imaginationsübungen
- Body-Scan
- Atemübungen
- Virtuelle Ausflüge
- Aktivitäten über digitale Whiteboards oder Bildschirmfreigabe
- Digitale Brett- und Kartenspiele (z. B. zu Zuordnung, Mustererkennung, Reaktionsgeschwindigkeit)
- Visuelle Tages- oder Ablaufpläne (gemeinsam erstellt) zur Unterstützung der Handlungsplanung
- Mind-Mapping zur Identifikation von Auslösern und Bewältigungsstrategien
- Diagramme zur Ziel- und Strukturplanung (therapiebezogen oder alltagsbezogen)
- Kurze Videos für Rollenspiele, soziales Kompetenztraining und Problemlösefähigkeiten
- Such- und Entdeckungsaufgaben (z. B. Wimmelbilder)
- Gemeinsames Lesen und Besprechen von Texten
- Wortspiele (Suchsel, Kreuzworträtsel, Buchstabensalat) sowie digitale Puzzel
- Kreative Aktivitäten (digital oder analog)
- Zeichnen
- Ausmalen
- Malen
- Tagebuch schreiben
- Geschichten verfassen
- Integrierte Plattformen mit interaktiven Apps und Spielen
Es gibt vielfältige Möglichkeiten, teletherapeutische Einheiten durch abwechslungsreiche und handlungsorientierte Inhalte zu gestalten, um Patient:innen schrittweise an alltagsrelevante, funktionelle Fähigkeiten heranzuführen. Viele Einrichtungen und auch freiberuflich tätige Therapeut:innen nutzen hierfür integrierte Plattformen wie Cognishine, die eine zentrale Organisation und Durchführung verschiedenster Therapieinhalte ermöglichen.
Die Plattform von Cognishine bietet ein breites Spektrum an Interventionen zur Förderung von Sprache, Kognition, Sprechen und sozialer Interaktion. Wenn Sie eine solche Lösung für Ihre Praxis in Betracht ziehen, können Sie sich gerne weiter informieren.
Über die Autorin
Brittany Ferri ist Gründerin von Simplicity of Health und Ergotherapeutin mit Erfahrung in der klinischen Versorgung, integrativen psychischen Gesundheitsförderung und Gesundheitsbildung. Ihre Arbeit zielt darauf ab, Gesundheitsinformationen verständlich, praxisnah und alltagsrelevant aufzubereiten.
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